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Warum mir der Geburtsvorbereitungskurs „gefühlt“ das Leben gerettet hat.

 

 

Natürlich war mein Leben während und nach der Geburt meines ersten Kindes nicht WIRKLICH in Gefahr, aber dennoch weiß ich heute, dass mein Leben ohne diesen Kurs komplett anders verlaufen wäre….

 

Ich war bei meiner ersten Schwangerschaft 29 Jahre alt, verheiratet und Referendarin für das Gymnasiallehramt. Ich hatte nicht wirklich viele Freundinnen um mich herum, denn genauso wie mich verschlug es meine Mädels nach dem Studium in alle möglichen Himmelsrichtungen, aber wir bemühten uns in Kontakt zu bleiben. Eine meiner besten Freundinnen ging sogar wieder in ihre Heimat nach Finnland zurück. Ich war also oft allein und fühlte mich auch manchmal sehr einsam. Eine Freundin, die zur selben Zeit schwanger war, hatte ich nicht.

 

Das sollte sich ändern: Pünktlich zum Mutterschutz begann ich meinen Geburtsvorbereitungskurs bei meiner betreuenden Hebamme. (Parissa I love U). Parissa hat ein ganz wunderbares Konzept. Der Kurs geht über wenige Wochen, aber dafür pro Termin über mehrere Stunden, so dass es immer eine Pause beim Bäcker um die Ecke gibt, wo die Schwangeren sich austauschen und kennenlernen durften. Linda ist mir gleich sehr positiv aufgefallen. Ein magisches Band verband uns von Beginn an. Wir waren neugierig aufeinander, wollten mehr voneinander wissen und wie sollte es auch anders sein, wir waren beide Lehrerinnen.

 

Alle anderen waren sehr sympathisch, offen und freundlich. Jede auf ihre ganz persönliche und individuelle Art und Weise. Es kam also wie es kommen musste. Auch nach dem Kurs blieben wir in Kontakt und verabredeten uns zum Essen im Restaurant, das Lindas Mann damals führte. Was für ein Segen, dieser Ort!!! Nadine war die erste frisch gebackene Mama von uns und sie kam zum Treffen OHNE Kind!!! Das war für mich in dem Moment unvorstellbar, aber gleichzeitig bewunderte ich sie über alle Maße. Ihr Kleiner war kein Stillkind und so konnte der Papa sich um ihn kümmern. Nadine ist mir vorher immer durch ihre direkte und forsche Art aufgefallen, aber das Muttersein hatte sie irgendwie verändert, weicher gemacht und stärker. Ich bewunderte sie einfach. Das wollte ich auch können: Mal raus gehen ohne Kind und einfach ich selbst sein.

 

Wir blieben also weiter in Kontakt und berichteten uns gegenseitig über unsere Geburtserlebnisse per E-Mail. Später begannen wir uns regelmäßig mit den Kleinen in besagtem Restaurant zu treffen und was soll ich sagen, es wurde zu unserem zweiten Wohnzimmer. Es gab genug zu essen und zu trinken, Platz und genug Möglichkeiten oder besser gesagt Gelegenheiten etwas zu feiern. Es war sooooo schön. Ich erinnere mich sehr gerne an diese Zeit. Es gab kein Problem, das nicht auch irgendeine andere schon hinter sich oder gerade eben auch hatte und so gab es regen Austausch über allerlei Themen, die frisch gebackene Mamas eben haben: Schlafen, Essen, Trinken, Stillen, Babyausstattung, erste kleine Zimperlitzchen wie Schnupfen oder Ähnliches. Es gab immer eine, die einen wertvollen Tipp hatte und so profitierte jede von dem Wissen und den Erfahrungen der anderen. War das herrlich! Irgendwann begannen wir gemeinsam Babykurse zu machen: Erst Babymassage, dann Lefino. Manche gingen dann noch zum Babyschwimmen oder was sonst noch so passte. Das war schon spannend. Im Sommer trafen wir uns manchmal bis zu vier Mal pro Woche, auch zum Spazierengehen oder zur Not halt einfach zum Quatschen ;o)

 

Und wieso hat mir das das Leben „gefühlt“ gerettet? Wer als Mama das Gefühl kennt ständig und nur mit Kind und Kühlschrank allein zu sein, der versteht vielleicht, wie isoliert frau sich dabei fühlen kann. Es fühlt sich nicht schön an, wenn das Kleine dann auch noch nicht ganz pflegeleicht ist, der Mann immer auf der Arbeit und sonst auch keinerlei Unterstützung in Sicht, dann fühlt es sich manchmal sogar echt kacke an. Wer denkt, dass ein Kind zu haben immer nur glücklich macht, den muss ich an dieser Stelle einfach mal die Illusion zerstören, aber das ist meine subjektive Meinung und sehr gerne darfst du andere eigene Erfahrungen machen.

 

Irgendwann im Sommer, unsere Kinder kamen alle im Herbst und Winter zur Welt, machte ich den Vorschlag mit den Kindern einen Kurzurlaub zu machen. Ein schwieriges Unterfangen mit 9 Frauen und 9 Babys zu vereisen? Ja, das wäre es gewesen. Aber am Schluss blieben nur wir drei übrig: Linda, Nadine, ich und unsere Babys. Es war so ein toller Urlaub. Wir konnten es sehr genießen. In einem kleinen Familienhotel am Bodensee fühlten wir uns sehr wohl und tankten Sonne, Freude, Lachen, Liebe, Nähe und alles was das Mutterherz noch so begehrt. Es war sehr spannend mit den Kleinen den ganzen Tag zu verbringen und es klappte alles hervorragend. Wenn die Mama entspannt ist, geht es auch den Kindern gut, die Erfahrung mache ich seit der Geburt meiner Tochter. Natürlich haben auch Babys mal einen nicht so guten Tag, dann ist es für uns Mamas auch eine Herausforderung, aber wenn frau auch nach sich schaut und ihre Bedürfnisse versucht zu befriedigen, sind die Kinder in der Regel viel pflegeleichter.

 

Linda, Nadine und ich sind bis heute beste Freundinnen. Ihr wart immer für mich da und ich danke euch von Herzen dafür. Und ich danke dafür, dass es euch gibt und ihr in mein Leben gekommen seid und zu mir hält. Freundinnen wie euch gib es eigentlich nur im Traum, danke, dass ihr meine Träume wahr werden lässt und ihr so seid wie ihr seid.

 

In tiefer freundschaftlicher Liebe

 

Meli